Ein Mindestlohn für Sportler?

Im Auftrag der Deutschen Sporthilfe hat die Deutsche Sporthochschule Köln nach 2009 zum zweiten Mal eine Studie in Auftrag gegeben, um die Lebens- und Einkommenssitutation deutscher Leistungssportler zu analysieren. Das Ergebnis zieht durchaus ein Thema nach sich, das in Politik und Gesellschaft immer wieder heiß diskutiert wird – der Mindestlohn.

In dieser Studie wurden die von der Stiftung Deutsche Sporthilfe geförderten Athleten im Zeitraum März bis April 2018 befragt. Es nahmen insgesamt 1.087 Sportler teil. Die befragten Athleten haben natürlich keine geregelte 40-Stunden-Woche, sondern meistern im Durchschnitt eine 56-Stunden-Woche, in der sie gut 32 Stunden für ihren Sport aufwenden und weitere 24 Stunden für Berufstätigkeit, Ausbildung oder Studium. Die jährlichen Bruttoeinnahmen belaufen sich auf im Mittel 18.680 Euro. Demgegenüber stehen jährliche Ausgaben in Höhe von durchschnittlich 16.500 Euro, von denen 5.160 Euro für die Ausübung des Sports aus eigener Tasche bezahlt werden. Verbindet man die monatlichen Einnahmen und den Zeitaufwand für Sport, Beruf und Ausbildung, so entspricht dies rein rechnerisch einem Stundenlohn von 7,41 Euro! Das ist deutlich unter dem Mindestlohnniveau von aktuell 9,19 Euro.

Die Entwicklung des Stundenlohns von 2009 bis 2018

… man kann es vorwegnehmen – sie ist nicht sonderlich berauschend. Bereits 2009 hatte die Deutsche Sporthochschule Köln von der Deutschen Sporthilfe geförderte Spitzenathleten befragt. Damals zeigte sich, dass ein Athlet 58,9 Stunden für Training, Wettkampf, Beruf und Ausbildung aufgewendet und dabei durchschnittlich ein Bruttoeinkommen von 1.919 Euro im Monat erzielt hat. Damals lag der durchschnittliche Stundenlohn nach Abzug der sportbedingten Kosten, bei 7,38 Euro. Auf dem Papier entspricht das also einer satten „Gehaltserhöhung“ von 3 Cent! Ob man sich als Sportler darüber freuen kann?

Die aktuelle Studie zeigt ferner, dass im Laufe einer durchschnittlichen Sportlerkarriere Spitzenathleten im Vergleich zur Gesamtbevölkerung Einbußen beim Bruttoeinkommen in Kauf nehmen müssen. Berücksichtigt man die sportbezogenen Ausgaben, so lässt sich ein kumulierter Verzicht alleine beim Bruttoarbeitsverdienst von durchschnittlich 57.990 Euro beziffern. Hier wird schnell deutlich, dass eine Karriere im Spitzensport auch seine Schattenseiten hat. Aber von Nichts kommt bekanntlich Nichts, und diese Opportunitätskosten muss man wohl oder übel als Sportler auf sich nehmen, wenn man ganz vorne mitmischen will. In der Regel beenden Sportler ihre Karriere im Alter von 30-35 Jahren, sofern sie nicht durch Verletzungen zu einem früheren Karriereende gezwungen werden. Durch den verspäteten Berufseinstieg nimmt der Sportler folglich weitere signifikante Einbußen in Kauf, da er im Vergleich zur normal arbeitenden Bevölkerung wesentlich später in die Pflege- und Krankenversicherung sowie andere Arten der Altersvorsorge einzahlt.

Spätestens hier sollte es bei Sportlern Klick machen und man sollte sich über alternative Einnahmequellen Gedanken machen!

„Die Studienergebnisse sind ein weiterer wissenschaftlicher Beleg, dass Deutschlands Spitzenathleten noch immer mit geringen Einnahmen zu kämpfen haben. Allem voran im Sport, aber auch in Ausbildung und Beruf zeigen sie dabei aber überdurchschnittlichen Einsatz. Wir müssen aufpassen, dass Deutschlands Athleten in internationalen Wettbewerb nicht zu sehr an Boden verlieren. Für uns sind die Ergebnisse Ansporn, in Kooperation mit unseren Wirtschaftspartnern weiter am Ausbau der Unterstützung der Spitzensportler zu arbeiten. Es ist daher besonders erfreulich und elementar wichtig für die Athletenförderung in Deutschland, dass die Parlamentarier im Bundestag gemeinsam mit dem Innenministerium 2018 eine zusätzliche Unterstützung für die deutschen Spitzenathleten beschlossen haben und diese auch 2019 fortgeführt und ausgebaut wird“, so Michael Ilgner, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Sporthilfe. Im Sommer des letzten Jahres hatte der Deutsche Bundestag 3,5 Millionen Euro für die zweite Jahreshälfte 2018 zur Auszahlung an Athleten über die Deutsche Sporthilfe beschlossen, für das Jahr 2019 sind bereits 7 Millionen Euro eingestellt worden – immerhin!

Arm aber glücklich?

Trotz der wenig berauschenden Zahlen sind Spitzensportler in Deutschland relativ zufrieden mit ihrem Leben – der Mittelwert liegt bei 7,4 auf einer Skala von 0 (ganz und gar unzufrieden) bis 10 (ganz und gar zufrieden). Der Wert für die gleichaltrige Gesamtbevölkerung liegt mit 7,6 nur marginal höher. Bei der Zufriedenheit mit dem persönlichen Einkommen kam ein Mittelwert von 5,0 heraus (im Vergleich zu 2009: 4,2). Dieser Wert liegt aber immer noch deutlich unter dem Wert der gleichaltrigen Bevölkerung von 6,2.

Die ausführlichen Studienergebnisse findet ihr hier: https://www.sporthilfe.de/fileadmin/pdf/Studien/Breuer_et_al.__2018__Lebenssituation_Spitzensportler.pdf

Fazit:

Jeder Sportler, der schon einmal in der glücklichen Lage war, eine olympische Medaille in den Händen halten zu dürfen, wird das berühmte Sprichwort, dass jede Medaille zwei Seiten hat, guten Gewissens unterschreiben können – auch im übertragenen Sinne. Denn wie die Studie gezeigt hat, müssen selbst Spitzensportler, die von der Deutschen Sporthilfe aufgrund ihrer herausragenden Leistungen gefördert werden, mit finanziellen Einbußen rechnen und das nicht zu knapp.

Eine bessere Steilvorlage für den Sinn und Nutzen eines Sportmanagements kann es eigentlich nicht geben. Wir empfehlen in diesem Sinne die Lektüre des folgenden Artikels:

https://www.cw-sportmanagement.de/blog/finanzielle-unabhaengigkeit/